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05.10.2005 | FM DAS LOGISTIK-MAGAZIN | Ausgabe: 2005/010

Der Kunde gibt den Takt vor


Hans-Günter Hieronimus, Leiter des Customer-Service der VAG-Armaturen GmbH, Mannheim
Wasserarmaturen sind das Kerngeschäft der Mannheimer VAG-Armaturen GmbH. Produkte des Unternehmens findet man an der häuslichen Zapfstelle ebenso, wie in Staudämmen auf der ganzen Welt. Das Stammwerk in Mannheim fertigt vor allem fürs Projektgeschäft kundenspezifische und Großarmaturen. Die Tochter JMA im tschechischen Hodonin produziert Serienarmaturen und stellt in einer eigenen Gießerei mit drei vollautomatischen Öfen den größten Teil des Metallgusses für den Unternehmensbedarf her. Seit 2004 gibt es ein VAG-Werk in China, das Armaturen für den asiatischen Markt produziert.

„Unsere Welt ist der Armaturenbau, nicht die Lagerbewirtschaftung“, sagt Hans-Günter Hieronimus, Leiter des Customer-Service-Centers. Daher vergab man schon vor über zehn Jahren die Lagerbewirtschaftung an einen Dienstleister. In den letzten Jahren rückte dann die Abwicklung nationaler und internationaler kundenspezifischer Projekte immer stärker in den Vordergrund. Darum fertigte die Geschäftsleitung eine Studie über die Leistungsfähigkeit von Logistikdienstleistern an.

Prozesse wurden definiert und Mengengerüste zusammengetragen: Umschlagshäufigkeit, Losgrößen und Gewichte pro Sendung. Sondierungsgespräche mit Logistikanbietern zeigten schnell, dass es ein großes Verbesserungspotenzial gab. „Im internationalen und kundenspezifischen Geschäft müssen wir äußerst flexibel bei der Regulierung von Ressourcen sein. Der Kunde gibt den Takt vor“, weiß Hieronimus. So sind im Projektgeschäft in kürzester Zeit Mengen zu handeln, die sonst während eines ganzen Monats anfallen, anschließend folgen dann wieder zwei ruhige Wochen. Auch das Verpacken sollte künftig im eigenen Lager geschehen, nicht zuletzt deshalb, weil es kostenmäßig ein wesentlicher Faktor im Exportbereich ist.

Nach Gesprächen und Referenzbesuchen bei neun Logistikdienstleistern und ihren Kunden entschieden sich die Mannheimer schließlich für die Pfenning Logistik GmbH aus dem benachbarten Viernheim. Hieronimus nennt die Gründe: „Für uns war es wichtig, nicht bei einem Großkonzern als C-Kunde gelistet zu sein. Wir suchten ein Unternehmen, das in der Region einen Namen hat und mit einer mittelständischen Struktur zu uns passt.“ Auch konnte Pfenning bereits in der Angebotsphase zahlreiche Erfahrungen und Kenntnisse in den geforderten Prozessen nachweisen. Eine Lagerverwaltungssoftware, das Warenmanagementsystem (WMS) Logos, brachte man gleich mit.

So startete im September 2003 das Projekt, der Echtstart erfolgte für die Viernheimer zum 1. Januar 2004. Während der zweiwöchigen Betriebsferien zum Jahreswechsel übernahmen sie komplett das Lager mit seinen 40 000 bis 50 000 Einzelartikeln. Vom ersten Tag an automatisierten Scanner und Barcodes die Lagerabläufe, wenn auch nicht sofort ohne Probleme. Zur VAG-eigenen SAP R/3-Plattform, auf der alle Prozesse ablaufen, programmierte Pfenning eine Schnittstelle, bei der es zunächst Abstimmungsschwierigkeiten gab, da man im Vorfeld keine Zeit zum Testen fand. Die Lagersoftware konnte jedoch rasch an die VAG-Prozesse angepasst werden und auf beiden Seiten der Schnittstelle lernten die Kollegen, die Abläufe des anderen Programms zu verstehen.

So kommen heute Wareneingangsavise via Schnittstelle aus der Firmensoftware ins Lagersystem, angelieferte Waren werden auf Vollständigkeit und Richtigkeit kontrolliert, eingelagert und an R/3 zurückgemeldet. Für den Warenausgang holt man sich alle relevanten Aufträge nach Lieferdaten oder Kundennamen über die asynchrone Schnittstelle ins eigene System. Inlandsaufträge verlassen dann das Lager innerhalb von 24 Stunden, beim Export ist es unterschiedlich. Da sämtliche Ware auch gleich verpackt wird, müssen beispielsweise seemäßige Verpackungen individuell hergestellt werden, einschließlich der Böden für große Armaturen, die sich nicht auf einer normalen Holz- oder Europalette verladen lassen. Das Gleiche gilt für projektbezogene Armaturen, da sieht jede Armatur anders aus und Pfenning stellt das Verpackungsmaterial einmalig her.

Das im WMS enthaltene datenfunkgesteuerte Staplerleitsystem bewegt die Waren nicht auftragsbezogen, sondern gangweise. Diese wegeoptimierte Abarbeitung der Aufträge verringert nicht nur den Zeitaufwand deutlich. Da die Regalbediengeräte nicht ständig den Gang wechseln, braucht man weniger RGBs. Auch die Disposition erfolgt über ein entsprechendes Softwaremodul durch Pfenning. Für Inlandslieferungen gibt es einen vertraglich gebundenen Spediteur, zu dem eine Softwareschnittstelle mit dem WMS besteht, den Export disponiert man händisch.

Das papierlose Barcodesystem, dessen Vorteile sich bis in den kaufmännischen Bereich auswirken, beschleunigt so die Auftragsabwicklung, spart Personal und senkt die Fehlerquote. Hieronimus stellt fest: „Es ist wichtig, von Zeit zu Zeit alle Prozesse auf Sinnhaftigkeit zu prüfen, eine Ist-Aufnahme zu machen. Ein Vergleich zeigt mir, was ich besser machen kann. Wir werden das in Abständen immer wieder tun“. Ohne dieses Vorgehen wäre VAG vielleicht nie zu seinem neuen Logistikpartner gekommen. „Gerade im für uns so wichtigen Projektgeschäft konnte Pfenning die Durchlaufzeiten weiter verkürzen“, sagt Hieronimus und beziffert die Kapazitätserhöhung, die die Viernheimer bis jetzt erreichen, auf mindestens 15 Prozent. So konzentriert sich jeder Partner auf seine Kernprozesse und man ist gemeinsam erfolgreich.

Weitere Informationen

www.pfenning-logistics.com

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